Übersetzungen - Vergil
Vergil - Aeneis - liber septimus - Verse [601-817]
14.11.2012 - 18:10

Vergil Aeneis VII - Verse [601-817]



[601-640]
[641-690]
[691-743]
[744-782]
[783-817]


Übersetzung nach V. Schulz


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Mos erat Hesperio in Latio, quem protinus urbes
Albanae coluere sacrum, nunc maxima rerum
Roma colit, cum prima mouent in proelia Martem,
siue Getis inferre manu lacrimabile bellum
Hyrcanisue Arabisue parant, seu tendere ad Indos
Auroramque sequi Parthosque reposcere signa:
sunt geminae Belli portae (sic nomine dicunt)
religione sacrae et saeui formidine Martis;
centum aerei claudunt uectes aeternaque ferri
robora, nec custos absistit limine Ianus.
has, ubi certa sedet patribus sententia pugnae,
ipse Quirinali trabea cinctuque Gabino
insignis reserat stridentia limina consul,
ipse uocat pugnas; sequitur tum cetera pubes,
aereaque adsensu conspirant cornua rauco.
hoc et tum Aeneadis indicere bella Latinus
more iubebatur tristisque recludere portas.
abstinuit tactu pater auersusque refugit
foeda ministeria, et caecis se condidit umbris.
tum regina deum caelo delapsa morantis
impulit ipsa manu portas, et cardine uerso
Belli ferratos rumpit Saturnia postis.
ardet inexcita Ausonia atque immobilis ante;
pars pedes ire parat campis, pars arduus altis
puluerulentus equis furit; omnes arma requirunt.
pars leuis clipeos et spicula lucida tergent
aruina pingui subiguntque in cote securis;
signaque ferre iuuat sonitusque audire tubarum.

Quinque adeo magnae positis incudibus urbes
tela nouant, Atina potens Tiburque superbum,
Ardea Crustumerique et turrigerae Antemnae.
tegmina tuta cauant capitum flectuntque salignas
umbonum cratis; alii thoracas aenos
aut leuis ocreas lento ducunt argento;
vomeris huc et falcis honos, huc omnis aratri
cessit amor; recoquunt patrios fornacibus ensis.
classica iamque sonant, it bello tessera signum;
hic galeam tectis trepidus rapit, ille trementis
ad iuga cogit equos, clipeumque auroque trilicem
loricam induitur fidoque accingitur ense.


Es gab einen Brauch in Italien in Latium, den die Städte um Alba sofort heilig verehrten, jetzt pflegt ihn das größte der Taten, Rom, wenn sie bei ersten Kämpfen den Kriegsgott bewegen, sei es den Geten mit Gewalt leidvollen Krieg zu tragen, oder den Harcynern und Arabern, sei es sich nach Indien vorzubereiten, der Morgenröte (Orient) zu folgen und von den Parthern die Feldzeichen zurückzufordern. Es gib „zwei Pforten des Krieges“ – so nennt man sie mit Namen – geheiligt durch Ehrfurcht und Furcht vor dem wütenden Mars: hundert Erzriegel versperren sie und unzerstörbare Türflügel aus Eisen, und als Wächter weicht Ianus nie von der Schwelle: diese, wenn der sichere Entschluss des Kampfes bei den Vätern feststeht, entriegelt der Konsul selbst in den knarrenden Schwellen, gegürtet mit eine geweihten Toga nach gabinischer Art, ruft selbst zum Kampf auf, darauf folgt ihm die übrige Jugend, Hörner aus Erz bliesen den rauhen Beifall zusammen.

Nach diesem Brauch wurde auch nun Latinus beauftragt den Troern Krieg anzusagen und die schrecklichen Tore zu entriegeln. Der Vater enthielt sich bei der Berührung und abgewandt floh er vor dem schändlichen Dienst und verbarg sich in dunklen Schatten.
Da entglitt vom Himmel die Königin der Götter und stieß mit eigener Hand die zögernde Tore auf und nachdem die Türangel gedreht worden war, brach die Tochter des Saturns, die eisernen Türen des Krieges.
Das eben noch friedliche und untätige Italien brennt; ein Teil bereitete sich vor, mit dem Fußvolk aufs Schlachtfeld zu gehen, der andere stürmt hoch staubend auf hohen Rossen; alle aber verlangen nach Waffen. Die einen reinigen die leichten Schilde und leuchtende Spieße mit fettigem Speck und legen die Äxte unter den Schleifstein; es freut sie, Feldzeichen zu tragen und den Klang der Trompeten zu hören.

Nachdem in fünf so großen Städten Ambosse aufgestellt worden waren, erneuerten sie die Wurfgeschosse, das mächtige Atina und das stolze Tibur, Ardea und Crustumerium und das turmtragende Antemnae. Zum Schutz für das Haupt höhlen sie die Bedeckung aus (Helm) und flechten aus Weidengestell der Schilde; andere formen eherne Harnische und glatte Beinschienen aus biegsamen Silber; dorthin weicht die Ehre der Flugschar und der Sichel, dorthin die ganze Liebe zum Pflug; die Schwerter der Väter schmieden sie im Ofen um. Und schon ertönt das Signal; es ergeht das Zeichen des Krieges. Der eine reißt aufgeregt seinen Helm aus dem Haus, der andere zwingt zitternde Pferde unters Joch und man legt den Schild und den Panzer aus dreifachen Golddraht an und man gürtet sich mit dem Schwert.




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Pandite nunc Helicona, deae, cantusque movete,
qui bello exciti reges, quae quemque secutae
complerint campos acies, quibus Itala iam tum
floruerit terra alma uiris, quibus arserit armis;
et meministis enim, diuae, et memorare potestis;
ad nos uix tenuis famae perlabitur aura.

Primus init bellum Tyrrhenis asper ab oris
contemptor diuum Mezentius agminaque armat.
filius huic iuxta Lausus, quo pulchrior alter
non fuit excepto Laurentis corpore Turni;
Lausus, equum domitor debellatorque ferarum,
ducit Agyllina nequiquam ex urbe secutos
mille uiros, dignus patriis qui laetior esset
imperiis et cui pater haud Mezentius esset.

Post hos insignem palma per gramina currum
uictoresque ostentat equos satus Hercule pulchro
pulcher Auentinus, clipeoque insigne paternum
centum anguis cinctamque gerit serpentibus Hydram;
collis Auentini silua quem Rhea sacerdos
furtiuum partu sub luminis edidit oras,
mixta deo mulier, postquam Laurentia uictor
Geryone exstincto Tirynthius attigit arua,
Tyrrhenoque boues in flumine lauit Hiberas.
pila manu saeuosque gerunt in bella dolones,
et tereti pugnant mucrone ueruque Sabello.
ipse pedes, tegimen torquens immane leonis,
terribili impexum saeta cum dentibus albis
indutus capiti, sic regia tecta subibat,
horridus Herculeoque umeros innexus amictu.

Tum gemini fratres Tiburtia moenia linquunt,
fratris Tiburti dictam cognomine gentem,
Catillusque acerque Coras, Argiua iuuentus,
et primam ante aciem densa inter tela feruntur:
ceu duo nubigenae cum uertice montis ab alto
descendunt Centauri Homolen Othrymque nivalem
linquentes cursu rapido; dat euntibus ingens
silua locum et magno cedunt uirgulta fragore.

Nec Praenestinae fundator defuit urbis,
Volcano genitum pecora inter agrestia regem
inuentumque focis omnis quem credidit aetas,
Caeculus. hunc legio late comitatur agrestis:
quique altum Praeneste uiri quique arua Gabinae
Iunonis gelidumque Anienem et roscida rivis
Hernica saxa colunt, quos diues Anagnia pascis,
quos Amasene pater. non illis omnibus arma
nec clipei currusue sonant; pars maxima glandes
liuentis plumbi spargit, pars spicula gestat
bina manu, fuluosque lupi de pelle galeros
tegmen habent capiti; uestigia nuda sinistri
instituere pedis, crudus tegit altera pero.


Öffnet den Helikon jetzt, ihr Göttinnen, hebt den Gesang an, welche Könige zum Krieg aufgerufen wurden, welche Heere folgend jedem die Felder anfüllten, durch welche Männer sich das nährende Italerland schon damals aufblühte und in welche Waffen sich verliebte. Denn ihr wisst ja, Göttinnen, und könnt es berichten: zu uns gelangt kaum noch ein schwacher Hauch der Sage.

Als erster zog in den Krieg von der tyrrhenischen Küste der harte Verächter der Götter, Mezzentius, und bewaffnet seine Scharen. Neben diesem der Sohn Lausus, bei dem kein anderer schöner war abgesehen von dem Körper des Laurenter Turnus, Lausus, der Rossebändiger und Bestienbezwinger, führt aus der Stadt Agylla vergeblich tausend Mann, die ihm folgen, würdig, unter dem väterlichen Oberbefehl glücklicher zu sein und sein Vater hätte nicht Mezzentius sein sollen.


Nach diesen zeigt einen palmzweiggeschmückten Wagen auf dem Rasen und siegreiche Pferde der Sohn des schönen Herkules, der schöne Aventinus, und führt auf dem Schild das Zeichen des Vaters, hundert Schlangen, und von den Schlangen umschlungene Hydra; den auf dem Berg im Wald des Aventins hatte Priesterin Rhea heimlich zum Lichte der Welt gebracht, die, eine sterbliche Frau mit einem Gott vermischte, nachdem der Sieger aus Tiryns über den erschlagenen Geryon die Fluren von Latium erreichte und die spanischen Rinder im tyrrhenischen Fluss abwusch. Wurfspieße und scharfe Dolche tragen sie mit der Hand in den Krieg und kämpfen mit einem schlanken Schwert und einem Wurfspieß der Sabiner. Er selbst geht zu Fuß, um das Haupt bekleidet des riesiges Löwenfell mit weißen Zähnen, von entsetzlicher Mähne sich drehend, so betrat er den Königspalast, schreckenerregend, und mit dem Umhang des Hercules um die Schultern geschürzt.


Danach verlassen Zwillingsbrüder die Mauern von Tibur und den Stamm, der nach ihrem Bruder Tiburtus ihren Namen bekam, Catillus und der energische Coras, junge Argiver, und vor der ersten Schlachtreihe stürmen sie in die zahlreichen Pfeile: wie wenn zwei wolkengeborene Zentauren vom hohen Gipfel eines Berges herabspringen, den Homoles und den schneeweißen Othrys im reißenden Lauf verlassen; bei ihrem Kommen macht der riesige Wald Platz und unter großem Krachen weicht das Gebüsch.

Auch der Gründer der Stadt Praeneste fehlte nicht, den, wie man allezeit geglaubt hatte, Volcanus bei den Herden der Bauern als König zeugte und den man am Herd fand, Caeculus. Dieser wird in breiter Legion der Bauern begleitet: und diese Männer, die im hohen Praeneste und auf den Fluren der Juno von Gabii, am kalten Anio und im von Bächen befeuchteten Felsen der Herniker wohnen, welche reiche Anagnia nährt, und auch Vater Amasenus. Nicht alle haben Waffen, und es ertönen keine Schilde und Wagen: der größte Teil schleudert Kugeln aus bläulichem Blei, ein Teil trägt mit der Hand zwei Spieße, und sie haben bräunliche Hauben aus dem Fell des Wolfes als Kopfbedeckung, die Stellen des linken Fußes sind nackt, die anderen schützt unbearbeiteter Lederstiefel.




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At Messapus, equum domitor, Neptunia proles,
quem neque fas igni cuiquam nec sternere ferro,
iam pridem resides populos desuetaque bello
agmina in arma uocat subito ferrumque retractat.
hi Fescenninas acies Aequosque Faliscos,
hi Soractis habent arces Flauiniaque arva
et Cimini cum monte lacum lucosque Capenos.
ibant aequati numero regemque canebant:
ceu quondam niuei liquida inter nubila cycni
cum sese e pastu referunt et longa canoros
dant per colla modos, sonat amnis et Asia longe
pulsa palus.
nec quisquam aeratas acies examine tanto
misceri putet, aeriam sed gurgite ab alto
urgeri uolucrum raucarum ad litora nubem.

Ecce Sabinorum prisco de sanguine magnum
agmen agens Clausus magnique ipse agminis instar,
Claudia nunc a quo diffunditur et tribus et gens
per Latium, postquam in partem data Roma Sabinis.
una ingens Amiterna cohors priscique Quirites,
Ereti manus omnis oliuiferaeque Mutuscae;
qui Nomentum urbem, qui Rosea rura Velini,
qui Tetricae horrentis rupes montemque Seuerum
Casperiamque colunt Forulosque et flumen Himellae,
qui Tiberim Fabarimque bibunt, quos frigida misit
Nursia, et Ortinae classes populique Latini,
quosque secans infaustum interluit Allia nomen:
quam multi Libyco uoluuntur marmore fluctus
saeuus ubi Orion hibernis conditur undis,
uel cum sole nouo densae torrentur aristae
aut Hermi campo aut Lyciae flauentibus aruis.
scuta sonant pulsuque pedum conterrita tellus.

Hinc Agamemnonius, Troiani nominis hostis,
curru iungit Halaesus equos Turnoque ferocis
mille rapit populos, uertunt felicia Baccho
Massica qui rastris, et quos de collibus altis
Aurunci misere patres Sidicinaque iuxta
aequora, quique Cales linquunt amnisque uadosi
accola Volturni, pariterque Saticulus asper
Oscorumque manus. teretes sunt aclydes illis
tela, sed haec lento mos est aptare flagello.
laeuas caetra tegit, falcati comminus enses.

Nec tu carminibus nostris indictus abibis,
Oebale, quem generasse Telon Sebethide nympha
fertur, Teleboum Capreas cum regna teneret,
iam senior; patriis sed non et filius aruis
contentus late iam tum dicione premebat
Sarrastis populos et quae rigat aequora Sarnus,
quique Rufras Batulumque tenent atque arua Celemnae,
et quos maliferae despectant moenia Abellae,
Teutonico ritu soliti torquere cateias;
tegmina quis capitum raptus de subere cortex
aerataeque micant peltae, micat aereus ensis.


Aber Messapus, der Rossebezwinger, ein Sohn des Neptunus, den nicht einmal das göttliche Recht mit Feuer oder Eisen hinstreckte, ruft schon längst sitzengebliebene Völker und des Krieges entwöhnten Heerhaufen plötzlich zu den Waffen und greift wieder zum Schwert.

Diese sind das Heer Fescennias und in Aequi Falisci, die auf der Burg des Soracte, in der Flur von Flavina, am See des Ciminus mit dem Berg und in Capenas Wäldern. Sie gingen in gleichen Anzahl und besangen den König, so wie einst schneeige Schwäne unter der Wolkenflüssigkeit, wenn sie von der Weide sich zurückziehen und durch ihre langen Hälsen klingende Melodien geben, der Strom ertönt weit und der Sumpf Kleinasiens vertreibt. Niemand möchte glauben, dass sich aus einer so großen Schar gepanzerte Schlachtreihen gemischt werden könnten, sondern, dass die rauhen Vögel durch die Luftwolken von der hohen See bis zur Küste drängen.

Siehe, da treibt vom altertümlichen Blut der Sabiner mit großem Heerzug Clausus und er selbst gleich groß wie ein großes Heer, der Claudier Stamm und Geschlecht über Latium breitet sich von ihm aus, nachdem Rom zum Teil den Sabinern gegeben wurde. Zusammen mit ihm eine riesige Kohorte aus Amiternum und die altertümlichen Quiriten, die ganze Schar aus Eretum und dem ölbaumreichen Mutusca; die, die in der Stadt Nomentum, auf Roseas Feld am Velinus, in Tetricas rauhen Felsen, auf dem Berg des Severus und in Casperia wohnen, in Foruli und am Fluss der Himella, die aus dem Tiber und Fabaris trinken, die das kalte Nursia schickte, die Flotte von Orta, die latinischen Stämme und die, (deren Gebiete) die Allia, unseliger Name, abgrenzend durchfließt: so viele Fluten im libyschen Meer sich wälzen, wenn der grimme Orion sich ins winterliche Meer taucht oder wie in der ungewohnten Sonne die dichten Ähren verbrennen, entweder auf dem Feld am Hermus oder auf Lykiens gelben Fluren. Es ertönen die Schilde und unter von dem Tritt der Füße erzittert die Erde.


Gleich darauf verbindet Agamemnons (Krieger), ein Feind des trojanischen Namens, Halaesus, die Pferde an den Wagen und raubt dem Turnus tausend wilde Männer, die das weinreiche Massikerland mit ihren Karsten zerstören und die von hohen Bergen aurunkische Väter schickten, und das angrenzende Meer von Sidicinum, und die, die Cales verlassen, die Anwohner des seichten Volturnusflusses und desgleichen die rauhen Saticuler und der Osker Schar. Jene haben kleine Speere und geglättete Spieße, aber es ist Brauch diesen mit einer biegsamen Peitsche auszurüsten. Ihre Linke schützt ein leichtes Schild, Mann gegen Mann kämpfen sie mit sichelförmigen Schwert.

Auch du wirst nicht unverhört durch unseren Gesang dahingehen, Oebalus, den, man berichtet, Telon mit einer Nymphe des Sebethus zeugte, als er schon betagt über das teleboische Königreich Capri herrschte; aber mit den väterlichen Fluren nicht zufrieden hielt der Sohn schon damals weithin die Stämme der Sarrasten in seiner Gewalt und die Ebene, die Sarnus leitet, und die, die Bewohner von Rufrae und Batulum der Fluren Celemnas haben und die, die auf die Mauern des äpfeltragenden Abella herabblicken, sie schleudern gewöhnlich nach Germanenart Wurfkeulen, zum Kopfschutz ist die der Korkeiche entrissene Rinde, und es funkeln die ehernen Schilde, es funkelt ihr ehernes Schwert.




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Et te montosae misere in proelia Nersae,
Vfens, insignem fama et felicibus armis,
horrida praecipue cui gens adsuetaque multo
uenatu nemorum, duris Aequicula glaebis.
armati terram exercent semperque recentis
conuectare iuuat praedas et uiuere rapto.

Quin et Marruvia venit de gente sacerdos
fronde super galeam et felici comptus oliua
Archippi regis missu, fortissimus Vmbro,
uipereo generi et grauiter spirantibus hydris
spargere qui somnos cantuque manuque solebat,
mulcebatque iras et morsus arte levabat.
sed non Dardaniae medicari cuspidis ictum
eualuit neque eum iuuere in uulnera cantus
somniferi et Marsis quaesitae montibus herbae.
te nemus Angitiae, vitrea te Fucinus unda,
te liquidi fleuere lacus.

Ibat et Hippolyti proles pulcherrima bello,
Virbius, insignem quem mater Aricia misit,
eductum Egeriae lucis umentia circum
litora, pinguis ubi et placabilis ara Dianae.
namque ferunt fama Hippolytum, postquam arte novercae
occiderit patriasque explerit sanguine poenas
turbatis distractus equis, ad sidera rursus
aetheria et superas caeli venisse sub auras,
Paeoniis reuocatum herbis et amore Dianae.
tum pater omnipotens aliquem indignatus ab umbris
mortalem infernis ad lumina surgere uitae,
ipse repertorem medicinae talis et artis
fulmine Phoebigenam Stygias detrusit ad undas.
at Triuia Hippolytum secretis alma recondit
sedibus et nymphae Egeriae nemorique relegat,
solus ubi in siluis Italis ignobilis aeuum
exigeret uersoque ubi nomine Virbius esset.
unde etiam templo Triuiae lucisque sacratis
cornipedes arcentur equi, quod litore currum
et iuuenem monstris pauidi effudere marinis.
filius ardentis haud setius aequore campi
exercebat equos curruque in bella ruebat.


Auch dich schickte das bergige Nersae in die Schlacht, Ufens, ausgezeichnet von dem Ruhm und glücklichen Waffen; diesem ist das Volk von besonderer Wildheit und gewohnt viel in den Wäldern zu jagen, steinig ist die Erde bei den Aequern. Bewaffnet bebauen sie das Land, und es freut sie immer neue Beute zusammenzubringen und vom Raub zu leben. Ja aus dem Volk von Marruvium kam sogar ein Priester mit Laub um den Helm und mit dem glücklichen Ölzweig geschmückt im Auftrag des Königs Achippus, der sehr tapfere Umbro, der pflegte durch Gesang und Berührung das Natterngeschlecht und bedrohlich zischende Schlangen in Schlaf zu versenken und er besänftigte ihre Wut und heilte durch seine Kunst ihre Bisse. Doch eine Stich eines Trojanersspeers war er nicht imstande zu heilen, und bei der Verwendung halfen diesem nicht einschläfernde Gesänge und Kräuter, gesucht in den Bergen der Marser. Um dich weinten der Hain der Angitia, um dich der Fucinus mit seinem kristallklarem Wasser, um dich die klaren Seen. Es ging auch sehr hübscher Sohn des Hippolytus in den Krieg, Virbius, den auffallend die Mutter Aricia schickte, herausgeführt aus dem Wald der Egeria, nahe den befeuchteten Ufern, wo fruchtbares und versöhnliches Altar der Diana stand. Denn der Sage nach sei Hyppolatus, nachdem er durch Mittel der Stiefmutter umgekommen war und mit dem Blut die väterliche Strafe erfüllt hatte, zerrissen von seinen scheuenden Pferden, wieder unter die himmlischen Sterne und auf die Oberwelt unter den Himmel gekommen, neu belebt durch die Kräuter des Asklepios und Dianas Liebe. Da entrüstete sich der allmächtige Vater, dass irgendein Sterblicher aus dem Schattenreich unter der Erde zum Licht und zum Leben auferstanden, und vertrieb selbst den Erfinder derartiger Heilkunst, Phöbussohn, mit dem Blitz zu den Wassern der Styx. Aber Diana verbarg den Hyppolytus gütig an heimlichen Orten und brachte ihn zu der Nymphe Egeria und ihrem Wald, dass er in Italiens Wäldern allein und unbekannt sein ewiges Leben verbringe und dass er Virbius mit veränderten Namen heiße. Deshalb werden auch hufstampfende Pferde vom Tempel der Diana und ihrem heiligen Hain ferngehalten, weil sie an der Küste einen Jüngling vom Wagen umwarfen, erschreckt durch ein Untier aus dem Meer. Nichtsdestoweniger trieb der Sohn die feurigen Rosse auf dem Blachfeld und stürzte sich mit dem Wagen in den Krieg.




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Ipse inter primos praestanti corpore Turnus
vertitur arma tenens et toto vertice supra est.
cui triplici crinita iuba galea alta Chimaeram
sustinet Aetnaeos efflantem faucibus ignis;
tam magis illa fremens et tristibus effera flammis
quam magis effuso crudescunt sanguine pugnae.
at levem clipeum sublatis cornibus Io
auro insignibat, iam saetis obsita, iam bos,
argumentum ingens, et custos virginis Argus,
caelataque amnem fundens pater Inachus urna.
insequitur nimbus peditum clipeataque totis
agmina densentur campis, Argivaque pubes
Auruncaeque manus, Rutuli veteresque Sicani,
et Sacranae acies et picti scuta Labici;
qui saltus, Tiberine, tuos sacrumque Numici
litus arant Rutulosque exercent vomere collis
Circaeumque iugum, quis Iuppiter Anxurus arvis
praesidet et viridi gaudens Feronia luco;
qua Saturae iacet atra palus gelidusque per imas
quaerit iter vallis atque in mare conditur Ufens.
Hos super advenit Volsca de gente Camilla
agmen agens equitum et florentis aere catervas,
bellatrix, non illa colo calathisve Minervae
femineas adsueta manus, sed proelia virgo
dura pati cursuque pedum praevertere ventos.
illa vel intactae segetis per summa volaret
gramina nec teneras cursu laesisset aristas,
vel mare per medium fluctu suspensa tumenti
ferret iter celeris nec tingeret aequore plantas.
illam omnis tectis agrisque effusa iuventus
turbaque miratur matrum et prospectat euntem,
attonitis inhians animis ut regius ostro
velet honos levis umeros, ut fibula crinem
auro internectat, Lyciam ut gerat ipsa pharetram
et pastoralem praefixa cuspide myrtum


Selbst unter den Ersten mit hervorragendem Körper dreht sich Turnus mit Waffen bewahrt und ist einen ganzen Kopf größer. Dessen hoher Helm mit dreifachem Busch trägt eine Chimaera, die aus ihrem Rachen Ätnafeuer aushaucht: je mehr sie faucht und stößt wild die gefährlichen Flammen aus, desto heftiger wird im Blutvergießen der Kampf. Aber den glänzenden Schild schmückte Io aus Gold mit erhobenen Hörnern, schon in Haare gehüllt, schon eine Kuh, ein gewaltiges Bild, und Argos, der Wächter der Jungfrau, und ihr Vater Inachus, der seinen Fluss aus einer ziselierten Urne ausgießt.

Ein Gewölk von Fußvolk folgt ihm und über die ganzen Felder verdichten sich schildtragende Scharen, argivische Jugend, Aurunkerschar, Rutuler und alte Sikaner, das sakranische Heer und Labiker mit bemalten Schilden; die, die das Waldgebirge, Tiber, bebauen und des Numicus heiliges Ufer, die Rutulerhügel mit der Pflugschar betreiben und Circes Joch, die Fluren, die Jupiter Anxurus schützt und Feronia, die sich am Grün des Hains freut; wo Saturas dunkler Sumpf liegt und wo der kalte Ufens durch den untersten Tal seinen Weg sucht und ins Meer fließt.


Außer diesen kam noch vom Volskervolk Camilla, welche einen Reiterzug und erzschimmernde Scharen anführte, die Kriegerin, nicht an den Spinnrocken und die Schalen der Minerva hatte jene ihre Frauenhände gewöhnt, sondern als junges Frau harte Schlachten zu erleiden und im Lauf den Wind zu überholen. Jene eilte wohl ganz hoch über die Halme der jungen Saat und hätte beim Lauf keine der zarten Ähren geknickt, sogar mitten über das Meer, durch die aufgeblasenen Fluten schwebend getragen, und würde ihre schnellen Sohlen nicht mit dem Meer benetzen.
Aus den Häusern und von den Feldern strömt die ganze Jugend und die Schar der Mütter zusammen und bewundert jene und schauen ihr in die Ferne, wenn sie vorüberzieht, staunend mit offenem Mund, wie königliche Ehre die blanken Schultern in Purpur hüllt, wie eine Spange aus Gold ihr Haar zusammenhält und wie sie selber den lykischen Köcher trägt und den Myrtenholzspeer der Hirten mit eiserner Spitze.




Imperator


gedruckt am 03.07.2020 - 16:30
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