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Vergil - Georgica - liber primus - Deutsche Übersetzung
16.05.2013 - 17:33

Georgica - liber primus



[1-42] Proömium
[461-514] Katastrophen und Kriege


Anmerkungen und Hilfen zur Übersetzung


Verse 1-42 - Proömium






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Quid faciat laetas segetes, quo sidere terram
vertere, Maecenas, ulmisque adiungere vitis
conveniat, quae cura boum, qui cultus habendo
sit pecori, apibus quanta experientia parcis,
hinc canere incipiam. Vos, o clarissima mundi
lumina, labentem caelo quae ducitis annum;
Liber et alma Ceres, vestro si munere tellus
Chaoniam pingui glandem mutavit arista,
poculaque inventis Acheloia miscuit uvis;
et vos, agrestum praesentia numina, Fauni
(ferte simul Faunique pedem Dryadesque puellae:
munera vestra cano); tuque o, cui prima frementem
fudit equum magno tellus percussa tridenti,
Neptune; et cultor nemorum, cui pinguia Ceae
ter centum nivei tondent dumeta iuvenci;
ipse nemus linquens patrium saltusque Lycaei
Pan, ovium custos, tua si tibi Maenala curae,
adsis, o Tegeaee, favens, oleaeque Minerva
inventrix, uncique puer monstrator aratri,
et teneram ab radice ferens, Silvane, cupressum:
dique deaeque omnes, studium quibus arva tueri,
quique novas alitis non ullo semine fruges
quique satis largum caelo demittitis imbrem.
Tuque adeo, quem, mox quae sint habitura deorum
concilia, incertum est, urbisne invisere, Caesar,
terrarumque velis curam, et te maximus orbis
auctorem frugum tempestatumque potentem
accipiat cingens materna tempora myrto;
an deus immensi venias maris ac tua nautae
numina sola colant, tibi serviat ultima Thule,
teque sibi generum Tethys emat omnibus undis;
anne novum tardis sidus te mensibus addas,
qua locus Erigonen inter Chelasque sequentis
panditur (ipse tibi iam bracchia contrahit ardens
Scorpius et caeli iusta plus parte reliquit);
quidquid eris (nam te nec sperant Tartara regem,
nec tibi regnandi veniat tam dira cupido,
quamvis Elysios miretur Graecia campos
nec repetita sequi curet Proserpina matrem),
da facilem cursum atque audacibus adnue coeptis,
ignarosque viae mecum miseratus agrestis
ingredere et votis iam nunc adsuesce vocari.


Was das Saatfeld fröhlich macht, unter welchem Gestirn es sich schickt, die Erde zu pflügen, Maecenas, und den Ulmen Weinreben anzufügen, welche Sorgfalt für Rinder nötig ist, welche Pflege für die Schafshaltung, welch große Erfahrung für sparsame Bienen – hier fange ich an zu singen. O ihr hellsten Lichter der Welt, die ihr das gleitende Jahr am Himmel leitet;
Liber und nährende Ceres, wenn die Erde durch eure Gabe die chanoische Eichel gegen die fruchtbare Ähre eingetauscht hat, und die wassergefüllten Becher mit der entdeckten Traube mischte;
Und ihr, o hilfreiche Gottheiten der Bauern, o Faunen, (Vorwärts ihr Faunen und dryadische Mädchen zugleich! Ich singe von euren Gaben); und du, o Neptun, für den die Erde, durchbohrt von deinem mächtigen Dreizack, als erste ein wieherndes Pferd gebar; und du Pfleger der Wälder, für den dreihundert schneeweiße Stiere das feiste Dickicht Ceas abgrasen;
O arkadischer Pan, du Schafshüter, verlass den heimischen Hain und das Waldgebirge des Lycaeus, komm her und sei günstig; auch du, Minerva, Erfinderin der Olive, und du, Junge, Einführer des gebogenen Pflugs, auch du, Silvanus, der du die zarte Zypresse entwurzelt in der Hand hältst:
Alle Götter und Göttinnen, die ihre Mühe darauf verwenden, die Äcker zu schützen, die neue Feldfrüchte ganz ohne Samen anwachsen und reichlich genug Regen vom Himmel herabströmen lassen.
Und sogar du, vom dem man nicht weiß, welche Götterversammlungen ihn bald halten werden, ob du, Caesar, nach den Städten sehen und dich um die Länder kümmern willst, und ob die riesige Welt dich als Schöpfer der Früchte und des Wetters Mächtigen empfängt, der du an deinen Schläfen mit mütterlicher Myrte umgürtet;
Oder ob du als Gott des unermesslichen Meeres kommst und Seemänner deine göttliche Macht als einzige verehren, das sehr weit entfernte Thule dir dient, und Tethys sich dich als Schwiegersohn mit all ihren Wellen kauft;
Oder ob du dich als neuen Stern den trägen Monden hinzufügst, wo sich ein Platz zwischen Erigone und den folgenden Scheren auftut (für dich persönlich zieht der brennende Skorpion seine Arme zurück und lässt dir mehr als einen gerechten Teil des Himmels zurück);
was auch immer du sein wirst (denn weder soll sich der Tartarus dich als König erhoffen, noch soll dir eine so grässliche Herrschsucht entstehen, auch wenn Griechenland die elysischen Felder bewundert und Proserpina, obgleich zurückgefordert, sich nicht drum schert, ihrer Mutter Folge zu leisten), gewähr mir einen leichten Weg und sei meinem kühnen Vorhaben gnädig, erbarme dich mit mir zusammen der des Weges unkundigen Bauern und schreite einher und gewöhn dich schon jetzt daran, in Gebeten gerufen zu werden.




Verse 461-514 - Katastrophen und Kriege






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Denique, quid Vesper serus vehat, unde serenas
ventus agat nubes, quid cogitet umidus Auster,
sol tibi signa dabit. Solem quis dicere falsum
audeat? ille etiam caecos instare tumultus
saepe monet fraudemque et operta tumescere bella;
ille etiam exstincto miseratus Caesare Romam,
cum caput obscura nitidum ferrugine texit
impiaque aeternam timuerunt saecula noctem.
Tempore quamquam illo tellus quoque et aequora ponti,
obscenaeque canes importunaeque volucres
signa dabant. Quotiens Cyclopum effervere in agros
vidimus undantem ruptis fornacibus Aetnam,
flammarumque globos liquefactaque volvere saxa!
Armorum sonitum toto Germania caelo
audiit, insolitis tremuerunt motibus Alpes.
Vox quoque per lucos vulgo exaudita silentis
ingens, et simulacra modis pallentia miris
visa sub obscurum noctis, pecudesque locutae
(infandum!); sistunt amnes terraeque dehiscunt,
et maestum inlacrimat templis ebur aeraque sudant.
Proluit insano contorquens vertice silvas
fluviorum rex Eridanus camposque per omnis
cum stabulis armenta tulit. Nec tempore eodem
tristibus aut extis fibrae apparere minaces
aut puteis manare cruor cessavit, et altae
per noctem resonare lupis ululantibus urbes.
Non alias caelo ceciderunt plura sereno
fulgura nec diri totiens arsere cometae.
Ergo inter sese paribus concurrere telis
Romanas acies iterum videre Philippi;
nec fuit indignum superis bis sanguine nostro
Emathiam et latos Haemi pinguescere campos.
scilicet et tempus veniet, cum finibus illis
agricola incurvo terram molitus aratro
exesa inveniet scabra robigine pila,
aut grauibus rastris galeas pulsabit inanis
grandiaque effossis mirabitur ossa sepulcris.
di patrii Indigetes et Romule Vestaque mater,
quae Tuscum Tiberim et Romana Palatia servas,
hunc saltem everso iuvenem succurrere saeclo
ne prohibete. Satis iam pridem sanguine nostro
Laomedonteae luimus periuria Troiae;
iam pridem nobis caeli te regia, Caesar,
invidet atque hominum queritur curare triumphos,
quippe ubi fas versum atque nefas: tot bella per orbem,
tam multae scelerum facies, non ullus aratro
dignus honos, squalent abductis arva colonis,
et curvae rigidum falces conflantur in ensem.
Hinc movet Euphrates, illinc Germania bellum;
vicinae ruptis inter se legibus urbes
arma ferunt; saevit toto Mars impius orbe,
ut cum carceribus sese effudere quadrigae,
addunt in spatia, et frustra retinacula tendens
fertur equis auriga neque audit currus habenas.


Schließlich wird dir, was der späte Abend bringt, woher der Wind heitere Wolken bringt, was der feuchte Südwind plant, die Sonne verkünden. Wer möchte die Sonne der Falschheit bezichtigen? Oft warnt jene sogar, wenn verborgener Aufruhr bevorsteht und Heimtücke und geheime Kriege sich erheben;
Auch hatte sie nach der Ermordung Caesars Erbarmen mit Rom, als sie sein strahlendes Haupt in dunkles Stahlblau hüllte und das unfromme Menschengeschlecht eine ewige Nacht befürchtete.
Freilich gaben in jener Zeit auch Erde und Meer, schmutzige Hunde und ungünstige Vögel Vorzeichen. Wie oft sahen wir, wie der Ätna, nachdem seine Öfen gesprengt, wallend auf die Äcker der Zyklopen hinausströmte, und Feuerkugeln und geschmolzenes Gestein rollen ließ!
Germania hörte den Klang von Waffen am ganzen Himmel, die Alpen bebten mit ungewohnten Erschütterungen.
Auch vernahmen viele Leute eine gewaltige Stimme im stillen Wald, und auf wundersame Weise erblassende Statuen sah man im Dunkel der Nacht, und Vieh sprach (abscheulich!); Flüsse stoppen und die Erde klafft auf, und wehmütig weint das Elfenbein und schwitzt die Bronze in den Tempeln.
Eridanus, König der Flüsse, spülte die Wälder hervor, indem er sie mit seinem gewaltigen Strudel herumwirbelte und trug Vieh samt Ställen quer über alle Felder. Und zur selben Zeit erschienen stets drohende Fasern in finsteren Eingeweide, stets floss Blut aus den Brunnen, und stets erschallten des Nachts hohe Städte vor Wolfsgeheul.
Nirgendwo anders fielen mehr Blitze vom heiteren Himmel und nirgendwo anders gingen grauenhafte Kometen derart oft in Flammen auf.
Folglich sah Philippi, wie römische Schlachtreihen mit gleichen Waffen zum zweiten Mal aufeinander losstürmten;
Für die Himmlischen war es keine Ungerechtigkeit, dass Emathia und die weiten Gefilde des Haemus zweimal von römischem Blut trieften.
Vernimm, auch die Zeit wird kommen, wo ein Bauer in jenem Gebiet, wenn er die Erde mit seinem gekrümmten Pflug bearbeitet, rauhe, vom Rost zerfressene Wurfspeere findet, oder mit dem schweren Karst auf leere Helme stößt und sich nach dem zufälligen Ausheben von Gräbern über große Knochen wundert.
O einheimische Gottheiten der Väter und Romulus und Mutter Vesta, die du den etruskischen Tiber und den römischen Palatin hütest, hindert wenigstens diesen jungen Mann nicht daran, einer über den Haufen geworfenen Generation zur Hilfe zu kommen. Wir haben schon längst genug für die Meineide des laomedontischen Trojas mit unserem Blut gebüßt; schon längst missgönnt uns der Himmelspalast dich, Caesar, und beklagt sich, dass du für Triumphe der Menschen sorgst, wo ja Recht und Unrecht verdreht sind: wo es so viele Kriege quer über den Erdkreis gibt, Verbrechen so viele Gesichter haben, wo es nicht irgendeine dem Pflug würdige Ehre gibt, wo die Äcker nach der Entführung ihrer Bauern vertrocknet sind, und die gekrümmten Sensen in starres Schwert umgeschmolzen werden.
Von hier schürt der Euphrat, von dort Germanien Krieg; benachbarte Städte tragen Waffen, nachdem sie untereinander die Gesetze gebrochen; gewissenlos wütet Mars auf der ganzen Welt, wie wenn ein Viergespann aus den Schranken hinausgesprengt ist und Bahn auf Bahn fügt, und der Wagenlenker – vergeblich die Zügel spannend – von den Pferden fortgerissen wird und der Wagen sich der Lenkung nicht fügt.




Anmerkungen und Hilfen zur Übersetzung


(9)
Acheloia : Achelous ist der größte Fluss Griechenlands, der auch als Flussgott verehrt wird; das Adjektiv wird hier metonymisch verwendet

(10)
agrestum : Gen. Pl. von agrestis (geläufiger ist agrestium)

(20)
ab radice : eig. „von der Wurzel an“, d.h. die Wurzel ist noch an der Pflanze, also ist sie entwurzelt

(28)
tempora : Acc. Graecus (limitationis)
myrto : wie alle Bäume und deren „Stoff“ feminin; deswegen und aus metrischen Gründen muss sich materna auf myrto beziehen

(29)
an : führt das incertum est, ne aus Vers 26 weiter

(33)
Erigonen : sc. das Sternbild Jungfrau

(34)
panditur : medial

(41)
miseratus : gleichzeitig und mit Akk. Obj.

(42)
ingredere : 2. Sg. Imperativ Präsens Passiv




(467)
cum caput obscura nitidum ferrugine texit : die Rede ist hier von einer ἔκλειψις (Sonnenfinsternis)

(471)
Cyclopum : Gen. Pl. von Cyclops, Cyclopis

(472)
ruptis fornacibus : denn im Ätna schmiedeten der Sage die Zyklopen als Diener des Vulcanus Waffen

(483-486)
Nec tempore eodem
tristibus aut extis fibrae apparere minaces
aut puteis manare cruor cessavit, et altae
per noctem resonare lupis ululantibus urbes.
: wörtlich: Und zur selben Zeit hörten weder drohende Fasern auf, in finsteren Eingeweiden zu erscheinen, noch hörte Blut auf, aus Brunnen zu fließen, noch hörten hohe Städte auf, in der Nacht vor Wolfsgeheul zu erschallen; von cessavit (zaudern, aufhören) hängen sämtliche Infinitive als Objekte ab

(490)
Philippi : Dort machte Octavian den Caesarmördern und ihren Anhängern der gar aus.

(498)
di patrii Indigetes sc. die Aeneaden

(499)
Palatia : poet. Plural

(505)
versum : resultativ





Imperator


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